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Quelle: sh.z, Flensburger Tageblatt vom 20. Januar 2012
Bald mit Batteriebus zum Bahnhof?
Aktiv-Bus und Vossloh Kiepe wollen zwischen Lachsbach und Bahnhof den emissionsfreien ÖPNV einführen / Zeitrahmen: drei bis fünf Jahre
Fast lautlos setzt sich der Bus am Bahnhof in Bewegung und fährt Richtung Deutsches Haus. Die Fahrgäste spüren nur das Rumpeln auf der Schlaglochpiste des Mühlendamms. Beim Stopp an der Haltestelle am alten Hallenbad ist nichts mehr zu hören und zu spüren – keine Vibration eines Diesel-Motors im Leerlauf, nichts. Der Bus der Linie 1 fährt völlig abgasfrei und sehr leise. Er fährt mit Strom.
In drei bis fünf Jahren könnte diese Vision Wirklichkeit sein. Auf diese Zeitschätzung einigten sich gestern Aktiv-Bus-Chef Paul Hemkentokrax und Dipl.-Ing. Martin Schmitz, bei der Firma Vossloh Kiepe für die Entwicklung der Bus-Systeme zuständig, nach einer „Befahrung“ der Strecke vom Lachsbach zum Bahnhof. „Die eignet sich ideal für den Einstieg in die E-Mobilität“, so Schmitz. Mit fünf Kilometer ist sie nicht zu lang für eine Batterie mit begrenzter Kapazität, sie hat kaum Steigungen, für die man mehr Strom benötigen würde, und an den beiden Endhaltestellen wäre Platz für die nötige Infrastruktur zum Aufladen der Batterie.
Im Rahmen der Klimapakt-Ziele hat sich auch Aktiv-Bus auf den Weg in die Zeit des emissionsfreien ÖPNV gemacht. Vor zwei Monaten besuchte eine Delegation das Unternehmen Vossloh Kiepe in Düsseldorf und die Verkehrsbetriebe in Solingen, die als eine von drei Städten in Deutschland noch ein Netz von Oberleitungsbussen hat. Doch an die Rückkehr der O-Busse nach Flensburg denkt Hemkentokrax derzeit noch nicht.
Mit Batteriebussen auf der angedachten Strecke würde man Neuland betreten. „Es gibt bisher noch kein Batteriesystem für Gelenkbusse“, räumt Schmitz ein. Man benötige jedoch im Prinzip nur eine größere Batterie. Die würde 2,5 bis drei Tonnen wiegen, allerdings verteilt auf mehrere Module von zirka 50 Kilo, die im Heck und im Dach des Busses untergebracht werden. Im Gegenzug würden Dieselmotor und Getriebe wegfallen. „1,8 Tonnen“, schätzt Hemkentokrax.
Ziel sei es, erläutert Schmitz, Batterien mit Überkapazitäten an Bord zu haben. Zum einen, um eine gewisse Reserve zu haben. Zum anderen würden Batterien, die man immer bis zum Anschlag entlädt und wieder auflädt, schneller altern. Fünf Kilometer seien aber überhaupt kein Problem, und die leichten Steigungen zum Bahnhof und die Apenrader Straße hinauf auch nicht.
An den Endpunkten müssten kleine Trafohäuschen und Masten mit Auslegern für den Ladevorgang installiert werden – das ist schon alles an neuer Infrastruktur. Die innovativen Busse würden, da es quasi Einzelstücke für Flensburg wären, doppelt so teuer wie ein Dieselbus gleicher Größe werden. Doch es gibt Förderprogramme des Bundes, die man anzapfen könne. Und die Verbrauchskosten wären niedriger. Hemkentokrax will nichts übers Knie brechen, sondern in der Stadt breiten Konsens – auch bei den Fahrgästen – herstellen. Beschlüsse des Aufsichtsrates und der politischen Gremien reichen ihm nicht. „Wir wollen alle mitnehmen.“ Zunächst sei jedoch eine externe Untersuchung geplant. Man werde noch einmal genau den geplanten Fahrtakt und die Zahl der Fahrgäste unter die Lupe nehmen. Doch das Ziel bleibt: Batteriebusse zwischen Bahnhof und Lachsbach.