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Quelle sh.z, Flensburger Tageblatt vom 23. November 2011
Exkursion nach Solingen und zu Vossloh-Kiepe nach Düsseldorf / CO2-Ausstoß der Bus-Flotte soll bis 2020 um 30 Prozent reduziert werden
Bis 2050 sind es noch ein paar Jahre, bis 2020 aber nur noch neun. In diesem knappen Jahrzehnt soll der CO2- Ausstoß des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in Flensburg um 30 Prozent reduziert werden. Das sieht der Klimapakt vor. Paul Hemkentokrax, Chef der Stadt-Enkelin Aktiv-Bus, ist sich sicher: Das geht nur mit Strom. In Düsseldorf und Solingen hat sich jetzt eine kleine Aktiv-Bus/Klimapakt-Gruppe über das Thema Elektromobilität informiert.
Klar, dass da auch eine Testfahrt dazu gehörte. In Solingen, der Stadt mit dem längsten O-Bus-Netz in Deutschland, drehte die Flensburger Gruppe eine Runde durch die Stadt im Bergischen Land und war besonders von der Geräuscharmut der Busse angetan.
Doch während in Solingen eher die Elektromobilität der Vergangenheit und der Gegenwart zu bestaunen ist, wird in Düsseldorf an deren Zukunft gestrickt. Hier werden bei Vossloh-Kiepe im Süden der NRW-Landeshauptstadt hochmoderne Energie- und Antriebssysteme für den Busverkehr der Zukunft entwickelt und produziert. Busse mit Vossloh-Kiepe fahren fast in der ganzen Welt. Martin Schmitz, Leitung Bussysteme und Marketing, erläuterte den Flensburger Besuchern ausführlich, mit welcher Technik die Busse der Zukunft fahren.
Wenn ältere Flensburger an elektrisch betriebene Busse denken, erinnern sie sich an die kurze Ära der O-Busse in der Stadt. O wie Oberleitung: Vor etwa einem halben Jahrhundert fuhren für ein paar Jahre Busse mit Stromabnehmer auf dem Dach durch die Stadt. Heute gibt es noch ganze drei Städte in Deutschland mit einem O-Bus-Netz: Solingen, Esslingen und Eberswalde. Der Nachteil bei der Einführung dieses Systems liegt auf der Hand: Der Bau eines kompletten Oberleistungssystems ist nicht nur sehr teuer, sondern dürfte auch auf Widerstand in der Bevölkerung stoßen.
Doch Oberleitungen müssen gar nicht sein, jedenfalls nicht flächendeckend. Für moderne Bussysteme mit geringem CO2-Ausstoß gibt es mittlerweile mehrere unterschiedliche Antriebssysteme, die meist miteinander kombiniert werden. Die Schlüsselrolle spielt dabei – wie auch bei der Entwicklung von Elektroautos – die Energiespeicherung. Batterien kommt hierbei eine andere Aufgabe zu als Hochleistungskondensatoren, so genannten Supercaps. Während eine Batterie relativ langsam relativ viel Strom lädt und diesen auch wieder relativ langsam abgibt, können Supercaps in kurzer Zeit viel Strom laden und diesen auch wieder schnell abgeben. Sie werden für die kurzfristige Speicherung der beim Bremsen frei werdenden Energie eingesetzt, die gleich danach beim Anfahren des Busses wieder verbraucht wird. Danach kann der Bus eine Strecke von einigen hundert Metern mit der Batterie zurücklegen.
Mittlerweile sind eine Vielzahl unterschiedlicher Systeme im Einsatz, viele davon in Italien und in der Schweiz. In diesem Jahr ging in Mailand ein Hybridbus, der mit Batterie und Oberleitung fährt, in Betrieb. Dabei schaltet der Bus an einer Haltestelle in sechs bis acht Sekunden, unbemerkt von den Passagieren, von einem System auf das andere. In einer anderen Variante werden Supercaps mit einem Dieselgenerator kombiniert, der nicht den Bus antreibt, sondern Strom für den Elektroantrieb erzeugt und beispielsweise einige Sekunden nach dem Anfahren an der Haltestelle bei etwa Tempo 30 anspringt. Mit heutiger Technik kann ein Bus noch keine längeren Strecken allein mit Batterie zurück legen – oder die Batterie ist so groß und schwer, dass keine Passagiere mehr in den Bus passen. „Das ist nicht wirklich zielführend“, hat Paul Hemkentokrax erkannt.
Der Flensburger Aktiv-Bus-Chef plant die Einführung der Elektromobilität auf Flensburgs Straßen von langer Hand. „Wir müssen das vernünftig vorbereiten und die Bürger mitnehmen.“ Es sei von großer Bedeutung, die Bürger von Beginn an zu beteiligen. In der Ratsversammlung hat Hemkentokrax bereits viel Dynamik für dieses Thema entdeckt.
Er macht allerdings auch klar, dass man nicht mehr allzu lange warten dürfe. Von der Idee bis zur Praxis müsse man drei bis vier Jahre einkalkulieren. In dieser Zeit entwickelt sich die Technik weiter. Entscheidend ist immer auch, inwieweit Förderprogramme angezapft werden können.
---------------------------------- Anmerkung: Bis 1957 hatte Flensburg einen O-Busbetrieb (dessen Betriebsstrecke länger war als der Linienweg!) Das Thema O-Bus als Antriebsalternative in Flensburg geistert in den Medien in schönester Regelmäßigkeit um. So alle 10 Jahre ist das mal wieder ein Thema.
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