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 Flensburg
Jens

21.10.2011 05:09
Tauziehen um die gute Seele vom ZOB antworten

Quelle: sh.z, Flensburger Tageblatt vom 21. Oktober 2011

Busfahrer wollen Zeichen setzen: Keine anonyme Bestattung für den verstorbenen Hausmeister Horst Schnase

Zu Lebzeiten war Horst Schnase keiner, der einen Nachruf erwarten durfte. Keiner, der den Lebenden ein Messingschild an irgendeinem Gebäude wert gewesen wäre. Horst Schnase war einer von den vielen, die der Staat am Ende billig unter den Rasen bringt. Das heißt, so anonym und so unauffällig, dass nicht einmal etwas zum Vergessen bleibt. Wenigstens dieses Schicksal wollen sie ihm ersparen. Die Fahrer, die Passagiere, die Menschen vom Flensburger Zob, für die Horst Schnase, der Hausmeister, ein kleiner Mann gewesen sein mag. Aber gewiss kein Niemand.

Es war Krebs. Am 4. Oktober, gerade acht Wochen, nachdem ihn die Kollegen in den Ruhestand verabschiedet hatten, starb er 65-jährig im Universitäts-Klinikum Eppendorf an dem tückischen Leiden. Ein Jahr hatte er gekämpft und immer gehofft. Am Ende verloren, wie so viele. Von Amts wegen müsste er jetzt in Hamburg-Ohlsdorf anonym bestattet werden. Das aber wollen vor allem die Fahrer vom Flensburger Zob verhindern. Für sie war Hausmeister „Schnasi“ die gute Seele, die 1997 in die gerade fertig gestellte Verkehrsdrehscheibe mit eingezogen war.

„Es kann nicht sein, dass er da einfach verscharrt wird“, sagt Mathias Hartmann. Hartmann, mit seiner Flensburger Firma Dantronik einer der Akteure am Zob, organisierte eine Sammlung für Horst Schnase. Ziel ist, den letzten Wunsch des Verstorbenen zu erfüllen: „Ich will in Flensburg liegen.“ Hartmann stellte ein Kondolenzbuch ins Internet (www.horst-schnase-flensburg.de), warb um Spenden. Die Resonanz war überwältigend. „Es reicht noch nicht ganz, aber mit ein bisschen Glück und noch etwas mehr Geld können wir ihn überführen und bestatten lassen“, sagt Hartmann hoffnungsfroh.

„Das hat er verdient“, sagt einer, der ihn gut kannte – der Aktiv-Bus-Fahrer Wolfram Schöngart: kontaktfreudig, hilfsbereit, immer ein Ohr für Sorgen und Nöte anderer, unglaublich engagiert, immer bescheiden. „Er hatte einen Stein im Brett bei den Fahrern, aber auch bei vielen Fahrgästen“, sagt Schöngart. „Er wurde nur für vier Stunden Arbeit schlecht bezahlt. Aber er war immer mindestens acht Stunden da. Horst sagte, wir seien seine Familie.“ Schnase besorgte belegte Brötchen und Kaffee, erledigte Ämter- und Organisationskram, verwaltete die Gemeinschaftskasse, richtete den Fahrern eine praktische Pausenküche ein. „Es laufen täglich hunderte von Bussen aus dem ganzen Land den Zob an. Jeder Fahrer kannte Horst und Horst kannte jeden Fahrer.“

„Ein unglaublich netter, engagierter Mann“, erinnert sich Birte Schmidt, die den Leiharbeiter als damalige Geschäftsführerin der Zob GmbH übernahm. Schnase, der gelernte Binnenschiffer, den der Alkoholismus in Arbeitslosigkeit und Obdachlosigkeit getrieben hatte, der sich selbst aus dem Sumpf gezogen hatte, der die letzten 25 Jahre trocken lebte, er hatte den Job am Zob in ihren Augen als letzte und wichtigste Chance seines Lebens begriffen – und genutzt.

Die Belohnung blieb ihm verwehrt. Schöngart, der Busfahrer, wollte ihn im Ruhestand als Hausmeister für ein Ferienhaus seiner Familie in Bremm an der Mosel beschäftigen. Wie andere Kollegen hatte auch er den praktisch mittellosen Horst Schnase auf Reisen mitgenommen. „Den Blick auf den Fluss und auf die Schiffe, den hat er sehr geliebt. Hier wollte er alt werden.“ Am 6. Oktober sollte der Traum losgehen. Am 4. Oktober war Schnase tot.

Morgen um 15 Uhr treffen sich Fahrer, Fahrgäste, Freunde im Borgerforeningen zu einer Trauerstunde für Horst Schnase.

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